Simon Wachsmuth

Simon Wachsmuth (1964) erkundet in seinen Arbeiten Themen wie Geschichte, Mythos und Formen der Dramatisierung. Sein Werk umfasst Film, Installation, Sound, Text und Performance.

In unterschiedlichen künstlerischen Formaten untersucht Simon Wachsmuth, wie historische Narrative entstehen, wie Darstellungen der Vergangenheit kulturell und politisch geprägt werden und wie sie in verschiedenen diskursiven Wissenszusammenhängen zirkulieren. Wachsmuth verfolgt die Veränderung von Motiven, wenn sie durch Zeit und Raum wandern, wie sie sich aus ihren Zusammenhängen lösen und in neuen visuellen oder politischen Konstellationen wieder auftauchen, und wie sie zur Herausbildung kollektiver Erinnerungen beitragen. Monumente und Dokumente erscheinen in seinem Werk daher nicht als statische historische Markierungen, sondern als aktive Träger von Erinnerung, deren Bedeutungen sich mit jeder neuen Kontextualisierung verschieben. Archäologie tritt dabei nicht nur als Motiv, sondern auch als methodischer Ansatz hervor. Wachsmuths Installationen bilden fein verwobene Strukturen, in denen verstreute Bilder, Referenzen und Erzählstränge zusammengeführt werden – Netze, die sowohl die Leerstellen als auch die Verdichtungen sichtbar machen, an denen sich Geschichte formiert.

Im Laufe der Zeit hat Simon Wachsmuth eine künstlerische Praxis entwickelt, die sich den blinden Flecken und unerwarteten Nachwirkungen dominanter Geschichtserzählungen widmet. Diese Perspektive wurde zentral für seinen Beitrag zur documenta 12 in Kassel (2007), für die er die großformatige Installation Where We Were Then, Where We Are Now? entwickelte. Durch die Gegenüberstellung von Reliefs aus Persepolis mit Motiven wie dem Alexander-Mosaik aus Pompeji untersuchte die Arbeit die Verflechtung antiker Bildwelten mit gegenwärtigen politischen und historischen Deutungen.

Fragen nach der Überlieferung und Neuerzählung von Geschichte sowie eine kritische Reflexion ihrer Instrumentalisierung prägten auch Wachsmuths Projekt für die Istanbul Biennale (2009). Dort vertiefte er seine Auseinandersetzung mit den politischen Dimensionen der Archäologie – ein Interesse, das später in seiner Künstlerresidenz an der Kulturakademie Tarabya in Istanbul (2021/22) erneut aufgegriffen wurde. Diese Fragestellungen setzten sich auch in seinen Beiträgen zur Busan Biennale (2012) sowie zum Ausstellungsprojekt Suzhou Documents in China (2016) fort, in denen er untersuchte, wie sich die Bedeutung historischer Materialien verändert, wenn sie in unterschiedliche kulturelle und institutionelle Kontexte gestellt werden.

Die Ausstellung Atlas. How to Carry the World on One’s Back? im Museo Reina Sofía in Madrid (2010–2011), kuratiert von Georges Didi-Huberman, verortete seine Arbeiten in einem Diskurs, der Bilder als historische Akteure begreift. Wachsmuths Beitrag zeigte, wie visuelle Gegenüberstellungen und archivische Konstellationen lineare Geschichtsnarrative irritieren und die Prozesse sichtbar machen können, in denen Bedeutung entsteht und ausgehandelt wird. 

Simon Wachsmuths Teilnahme am Steirischen Herbst (Kunsthaus Graz, 2016), kuratiert von Zasha Colah, präsentierte seine Video-Installation Qing. Die Arbeit verknüpft die Geschichte seiner Familie in Wien mit Bewegungen und Verbindungen, die von Shanghai zurück nach Wien führen. In einer performativen Auseinandersetzung mit der Migration von Gesten und Objekten untersucht sie die Schnittstellen zwischen persönlichen Archiven und umfassenderen Strukturen kollektiver Historizität.

Für die 13. Berlin Biennale (2025) entstand Simon Wachsmuths Film From Heaven High, eine Neubearbeitung des dadaistischen „Preußischen Erzengels“ von John Heartfield und Rudolf Schlichter. Die Arbeit reflektiert die sich wandelnden Bedeutungen symbolisch aufgeladener Bildformen in aktuellen Debatten über Meinungsfreiheit und verbindet diese historischen Referenzen mit Fragen nach Autorität, Widerstand und individueller Verantwortung.

Ein zentraler Strang in Simon Wachsmuths jüngerer Arbeit ist seine langfristige Auseinandersetzung mit Krieg und Autoritarismus. Daraus ging eine Serie großformatiger Installationen in Form von Wagen und Bühnen hervor – quasi-theatrale Objekte, die untersuchen, wie frühneuzeitliche Konflikte wie der Dreißigjährige Krieg die moderne Diplomatie und die politische Architektur Europas geprägt haben und wie diese historischen Prägungen bis heute geopolitische Vorstellungen beeinflussen. Ausgangspunkt dieses Projekts war die Arbeit, für die er den Marta-Preis der Wemhöner Stiftung erhielt; seither hat es sich zu einem komplexen, mehrteiligen Forschungszyklus entwickelt. Wachsmuths Einzelausstellung Evil Spirits / Böse Geister im Lentos Museum in Linz (2025) präsentierte eine neue Gruppe von Installationen aus diesem Zusammenhang und verband historische Recherche mit gegenwärtigen Formen ideologischer und kultureller Projektion.


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  - Pondering Provenance
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  - Instances of Erasure
  - Ivy
  - Seven Deadly Sins
  - That Pause of Space
  - Recurrence 2
  - Recurrence
  - Dramatization
  - Some Descriptive Acts